Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Aachen/Düren e. V.

Blick auf die Wilhelmstraße, Richtung Kaiserplatz von der Gottfriedstraße

Wilhelmstraße auf Höhe Gottfriedstraße mit Blick Richtung Kaiserplatz © ADFC Aachen

ADFC fordert sichere Neuaufteilung der Wilhelmstraße

Die Wilhelmstraße soll im Zuge der Regionetz-Arbeiten neu aufgeteilt werden. Aus Sicht des ADFC braucht es bei rund 35.000 Kfz pro Tag eine sichere Radverkehrsführung in beiden Richtungen.

Chance durch ohnehin anstehende Bauarbeiten

Die Wilhelmstraße steht vor einer grundlegenden Veränderung. Im Zuge der anstehenden Regionetz-Maßnahme werden Kanal- und Leitungsarbeiten notwendig, die erhebliche Eingriffe in den Straßenraum mit sich bringen.

Aus Sicht des ADFC Aachen/Düren ist das eine wichtige Chance: Wenn der Straßenraum ohnehin geöffnet wird, sollte er nicht nur wiederhergestellt, sondern zukunftsfähig neu geordnet werden.

Die städtische Vorlage erkennt selbst an, dass der heutige Zustand nicht mehr zeitgemäß ist. Zu schmale Schutzstreifen, fehlende Sicherheitstrennstreifen, enge Querschnittselemente und unzureichende Baumstandorte zeigen deutlich: Ein „Neu wie alt“ darf es auf der Wilhelmstraße nicht geben.

Kritik an der Beschränkung auf A und B

Kritisch sieht der ADFC, dass die Bürger*innenbeteiligung nach der bisherigen Vorlage im Wesentlichen auf die bestandsorientierten Varianten A und B beschränkt werden soll.

Variante A würde den Radverkehr vollständig in den Mischverkehr verweisen. Variante B sieht lediglich bergauf einen Schutzstreifen vor; bergab gäbe es weiterhin keine eigene Radverkehrsführung.

Aus Sicht des ADFC ist das bei einer Belastung von rund 35.000 Kfz pro Tag kein tragfähiges Grundangebot für den Radverkehr.

Ein Grundangebot muss sich auch sicher anfühlen

Ein Grundangebot muss mehr leisten als eine Markierung im Restquerschnitt. Es muss auch für weniger geübte, langsamere oder sicherheitsbedürftigere Menschen nutzbar sein.

Dazu gehören Jugendliche, ältere Menschen, Familien und alle, die sich nicht im dichten Kfz- und Busverkehr einer hochbelasteten Hauptverkehrsstraße behaupten möchten.

Gerade auf der Wilhelmstraße mit Kitas, Schulwegbezug, Haltestellen, Praxen, Wohnnutzung, Einzelhandel und dem Suermondt-Ludwig-Museum braucht es eine sichere und verständliche Radverkehrsführung.

 

Variante E als zusätzlicher Vorschlag

Der ADFC fordert deshalb, neben Variante C und dem langfristigen Zielbild D auch eine weiterentwickelte Variante E zu prüfen.

Diese Variante sieht beidseitige Radverkehrsanlagen vor und erhält zugleich die Kfz-Führung weitgehend. Möglich wäre dies durch reduzierte Kfz-Fahrstreifenbreiten, einen modularen Multifunktionsstreifen sowie abschnittsweise Lösungen für Haltestellen, Lieferzonen, Parken, Fahrradparken und Baumstandorte.

Die Variante E ist keine fertige Ausführungsplanung. Sie zeigt aber, dass die Auswahl nicht auf die Varianten A und B verengt werden muss. Auch bei weitgehend erhaltener Kfz-Führung erscheint ein beidseitiges Radverkehrsangebot prüfbar.

 

Friedrichstraße: Ergänzung, nicht Ersatz

Zusätzlich fordert der ADFC, die Friedrichstraße vor Beginn der Bauarbeiten als hochwertige Radverkehrsroute und Baustellenumleitung auszubauen.

Sie kann eine wichtige Ergänzung im Nebenstraßennetz sein, ersetzt aber nicht die sichere Befahrbarkeit der Wilhelmstraße selbst. Denn die Wilhelmstraße hat eigene Ziele: Kitas, Schulwege, Haltestellen, Praxen, Wohnnutzung, Einzelhandel und das Suermondt-Ludwig-Museum.

Klimaanpassung mitdenken

Auch Klimaanpassung und Stadtgrün müssen stärker berücksichtigt werden. Hitzewellen und Starkregen zeigen, dass dicht bebaute Straßenräume mehr Verschattung, bessere Baumstandorte, Entsiegelung und Flächen für Rückhalt und Versickerung brauchen.

Das langfristige Zielbild muss daher über reine Verkehrsflächen hinausgehen. Die Neuaufteilung der Wilhelmstraße sollte auch genutzt werden, um den Straßenraum klimaangepasster und lebenswerter zu gestalten.

 

Forderung des ADFC

Der ADFC fordert die Stadt Aachen auf, die fehlenden Verkehrsdaten nachzuliefern, die Bürger*innenbeteiligung nicht auf die Varianten A und B zu beschränken und mindestens eine Variante mit sicherer Radverkehrsführung in beiden Richtungen in die weitere Diskussion aufzunehmen.

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